Das Schlusslicht #13 – Buchmessenfieber!

Buchmesse Leipzig

Kaum zu glauben, aber ich bin dieses Jahr zum allerersten Mal auf einer Buchmesse. Dabei müssten die Messen für mich als (gelegentliche) Literaturübersetzerin, Autorin und Buchbloggerin eigentlich ein jährlicher Pflichttermin sein! Vielleicht waren es in den letzten Jahren meine Scheu vor Menschenansammlungen oder die Tatsache, dass ich niemanden kannte, der mit mir zusammen auf die Buchmesse ging, die mich von diesen Veranstaltungen fernhielten. Dieses Jahr jedoch kann ich mich nicht mehr rausreden: eine geeignete, sehr liebe „Buchmessenpartnerin“ ist gefunden und außerdem wird auch noch mein derzeitiger Lieblingsschriftsteller Clemens Setz vor Ort sein.

Lesen

Nun ja, ob er wirklich physisch vor Ort sein wird, steht noch in den Sternen. Der Programmpunkt heißt nämlich „Gespräch ohne Autor“ und soweit ich mit Clemens Setz` Faszination für Roboter und künstliche Intelligenz vertraut bin, kann es durchaus sein, dass er sich durch eine Maschine vertreten lässt. Es geht das Gerücht um, dass aus seinem digitalen Tagebuch vorgelesen wird, als eine Art „ausgelagerte Seele“ (Black Mirror lässt grüßen!).

 

Clemens Setz
Setz mit seiner neuen Bartpracht – offensichtlich traut er sich damit nicht mehr in die Öffentlichkeit. (C) Max Zerrahn Suhrkamp Verlag

 

Apropos Künstliche Intelligenz: Dazu wird es auch einen Vortrag im „Kunstkraftwerk Leipzig“ geben, mit dem Titel: „Die kreative Macht der Maschinen“. Da muss ich an das 2002er Album der Flaming Lips denken, das ich mir gerade erst zugelegt habe. Darauf singen sie über Roboter, die versuchen „something more than a machine“ zu werden und Gefühle zu entwickeln. Wie wirkt das auf uns zurück? Könnte Künstliche Intelligenz in der Zukunft sogar beeinflussen, wie wir denken – und sogar fühlen? Wenn es Maschinen gibt, die perfekte Gefühle simulieren können, werden wir uns dann in unseren eigenen Gefühlen unsicher werden? Müssen wir die Roboter dann als „vollwertige“ Lebewesen anerkennen?

Ein weiteres Thema, das mich derzeit umtreibt und das auch auf der Buchmesse vertreten ist: Alternative bzw. utopische Lebensentwürfe. So erzählt Simone Hirth in ihrem Roman Bananama die Geschichte eines kleinen Mädchens, das in einem Aussteigerhaushalt aufwächst. Subtil und mit viel Gespür für die Psyche eines Kindes schildert sie, wie aus einem scheinbar perfekten und sorgenfreien Lebenskonzept ein Gefängnis werden kann. Passend dazu gibt es auch einige Vorträge zum Thema „Utopien“, die jedoch mehr in Richtung Science Fiction tendieren, so zum Beispiel „Die Kraft des Utopischen. Über Science Fiction und literarische Utopien“ mit Gert Scobel in der 3sat-Glashalle.

Bananama.jpg

Übersetzen

Beim Thema „Chinesische Literatur“ verschwimmen bei mir die Grenzen zwischen Literatur und Übersetzung, zwischen Interesse und Beruf. Einerseits will ich – zusammen mit meiner Freundin – neue chinesische Literatur kennenlernen, andererseits auch Kontakte zu Chinesischübersetzern bzw. Verlegern chinesischer Literatur knüpfen. Leider macht der Anteil der aus dem Chinesischen übersetzten Literatur am Gesamtkorpus bisher nach wie vor nur 2 Prozent aus, aber das könnte sich ja in Zukunft ändern.

Eine Mango für MaoBeim Roman Eine Mango für Mao war allerdings kein/e Übersetzer/in vonnöten, denn die Autorin Wei Zhang lebt schon seit einigen Jahren in der Schweiz und hat das Werk auf Deutsch geschrieben. Ebenfalls aus der Sicht eines Kindes schildert Zhang das Leben in einer vergangenen Utopie: dem kommunistischen China Mao Zedongs. Ob sich das Werk in irgendeiner Weise originell vom großen Rest der über die Kulturrevolution verfassten Romane abhebt, wird noch zu hören bzw. nachzulesen sein.

Zhuangzi

Ein interessanter Mensch, den kennenzulernen sich lohnen würde, ist Viktor Kalinke, der Übersetzer des „Zhuangzi“ – neben dem Tao-te-King eines der Hauptwerke des klassischen Daoismus. Kalinke, ein Tausendsassa, der sich nicht nur mit der chinesischen, sondern auch mit der mexikanischen, serbischen und anderen slavischen Kulturen auskennt, gründete 1998 den Leipziger Literaturverlag, dessen Veröffentlichungen von einer ebenso großen kulturellen Bandbreite zeugen. Auf jeden Fall schon mal jemand, dem ich meine Visitenkarte in die Hand drücken werde.

Schreiben

Nicht im Fokus meines Interesses stehen werden Vorträge und Seminare zum Kreativen Schreiben bzw. zum Self-Publishing. Ich habe den Verdacht, dass gerade die Vorträge im Bereich Selfpublishing darauf abzielen, den Autoren Marketingmaterial und Schema-F-Schreibstrategien zu verkaufen. Zudem tummeln sich hier die Schreiberlinge seichter Liebesromane und schablonenartiger Fantasy-Reihen, die ihre Werke im Vierteljahrestakt auf den Markt werfen. Mein nächstes Schreibprojekt werde ich jedenfalls nicht mehr auf Neobooks (die auch auf der Messe vertreten sind) veröffentlichen, da es offensichtlich eher diese Schienen bedient.

P.S. Und wer jetzt was über die Comic-Con hören wollte – no chance! Ich ruiniere mir meinen Ruf hier zwar regelmäßig mit Geschichten über Aliens und UFOs, aber sicher nicht mit Geschichten über japanische Zombie-Schulmädchen oder vollbusige Karate-Superheldinnen 😉

P.P.S. Zu all den angesprochenen Themen wird es dann natürlich nochmal ein ausführliches Update geben.

 

Ein Gedanke zu “Das Schlusslicht #13 – Buchmessenfieber!

  1. Wären Geschichten über vollbusige Karate-Aliens (lechz) oder Zombie-UFOs (ächz) oder Super-Schulmädchen (seufz) oder japanische Karaokeheldinnen (krächz) wie sie sicher zuhauf in unseren Nachbar(-innen-)häusern wohnen und in die wir uns unseren Selbstgefühlen nach (wenn wir uns nur zu seltsam vorkommen) in manchen Stunden selber verwandeln eine Lösung ???

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