Apropos🎲: Küche

„Während des Studiums hatte ich einen Freund – er studierte auch Germanistik. PĂĽnktlich zu Beginn der Semesterferien packte ihn seine „Unlust“ – er war auĂźer Stande, auch nur eine Zeile zu schreiben. Er behauptete, er wĂĽrde in Panik und Depression verfallen, wenn er auch nur den Stift anrĂĽhrte. Also hab‘ ich seine Arbeiten geschrieben. Vier Semester lang. Ich dachte, dass das das Opfer sei, das ich fĂĽr einen solchen Freund bringen mĂĽsste, um den mich alle beneidet haben. Ich habe ihn auch wirklich geliebt.“ Doro seufzte.

„Während ich seine Arbeiten geschrieben hab, hat er für uns ein bisschen Geld mit Nebenjobs verdient. Doch eines Tages hab ich mitbekommen, dass er nur vier Tage in der Woche zur Arbeit ging – am fünften ist er mit der U-Bahn in die entgegengesetzte Richtung gefahren. Ich bin ihm gefolgt und er hat bei einer Wohnung geklingelt, die ich nicht kannte. Ich hab sofort gewusst, was los war. Ich hab ein Feuer in der Küchenspüle und alle Seiten verbrannt, die ich bisher für ihn getippt hatte. Daneben hab ich einen Zettel mit den Zeilen gelegt: „Die Rosen schmecken ranzig-rot/ es ist ein saurer Sommer in der Welt/ Das Himbeerfeuer ist erloschen/ es ist ein Aschensommer in der Welt“.“

(c) Celine Marsolais

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